Alltag zu Hause · 6 Min. Lesezeit
Notfallplan bei Heimbeatmung: Was tun bei Stromausfall?
Wie Familien mit Heimbeatmung einen Notfallplan aufstellen und sich auf Stromausfälle vorbereiten – in Absprache mit Arzt und Gerätelieferant.
Warum ein Notfallplan unverzichtbar ist
Wer zu Hause beatmet wird, ist auf Technik angewiesen: Beatmungsgerät, Absauggerät, Befeuchter, manchmal Sauerstoff. Fällt etwas aus, zählt jede Minute. Ein schriftlicher Notfallplan sorgt dafür, dass alle Beteiligten – Pflegekräfte, Angehörige, Besucher – wissen, was zu tun ist. Er nimmt Unsicherheit und schafft Ruhe in einer Situation, die sonst schnell überfordert.
Dieser Ratgeber gibt allgemeine Hinweise. Der konkrete Plan muss mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, dem Gerätelieferanten und dem Pflegedienst abgestimmt werden.
Was in den Notfallplan gehört
- Persönliche Daten, Diagnosen und Beatmungsform in Kurzform
- Die ärztlich festgelegten Geräteeinstellungen
- Telefonnummern: Notruf 112, behandelnde Ärzte, Pflegedienst, Gerätelieferant (Notdienst), Angehörige
- Lage von Beatmungsbeutel, Ersatzkanüle, Absauggerät und Ersatzakkus
- Vorgehen bei Gerätealarm, verstopfter oder herausgerutschter Kanüle und Atemnot
- Vorgehen bei Stromausfall
Stromausfall: vorher klären
Viele Beatmungsgeräte haben einen internen Akku, manche zusätzlich einen externen Akku. Wie lange diese halten, hängt vom Gerät, den Einstellungen und dem Zustand der Akkus ab. Fragen Sie den Gerätelieferanten konkret: Wie lange läuft das Gerät im Akkubetrieb? Wie wird der Ladezustand angezeigt? Gibt es Ersatzakkus oder ein Zweitgerät? Wie lange halten Absauggerät und andere Geräte ohne Strom?
Klären Sie außerdem mit Ärztin oder Arzt und Lieferant, ab welcher Dauer eines Stromausfalls weitere Schritte nötig sind und welche das sind. Diese Absprachen gehören schriftlich in den Notfallplan.
Im Alltag vorbereitet sein
- Akkus regelmäßig laden und den Ladezustand kontrollieren
- Ersatzakkus geladen und griffbereit lagern
- Einen manuellen Beatmungsbeutel in Reichweite haben und die Anwendung schulen lassen
- Eine netzunabhängige Taschenlampe und ein geladenes Mobiltelefon bereithalten
- Notfallplan sichtbar aufbewahren, zum Beispiel neben dem Bett
- Den Plan regelmäßig mit allen Beteiligten durchgehen und bei Änderungen aktualisieren
Wenn der Strom ausfällt
Bleiben Sie ruhig und prüfen Sie, ob das Gerät auf Akkubetrieb umgeschaltet hat. Beobachten Sie den beatmeten Menschen: Atmung, Hautfarbe, Unruhe. Kontrollieren Sie den Akkustand und handeln Sie nach dem Notfallplan. Informieren Sie Pflegedienst und Gerätelieferanten, wenn absehbar ist, dass der Ausfall länger dauert.
Bei Atemnot, einem Geräteausfall ohne funktionierenden Ersatz oder wenn Sie unsicher sind, ob die Versorgung gesichert ist: sofort den Notruf 112 wählen und mitteilen, dass ein beatmeter Mensch betroffen ist.
Weitere Notfälle
Ein Notfallplan umfasst mehr als den Stromausfall. Dazu gehören ein Gerätedefekt, eine verstopfte oder herausgerutschte Trachealkanüle, ein plötzlicher Abfall der Sauerstoffsättigung oder eine akute Verschlechterung. Für jede Situation sollte klar sein, wer was tut. Üben Sie die wichtigsten Handgriffe gemeinsam mit den Pflegefachkräften.
Alle Beteiligten einbeziehen
Der beste Plan nützt nichts, wenn ihn niemand kennt. Sprechen Sie ihn mit allen durch, die regelmäßig im Haushalt sind. Auch Nachbarn können ein wertvoller Teil des Netzes sein, wenn sie wissen, dass im Haus ein beatmeter Mensch lebt.
Eine Vorlage für die Notfallkarte
Neben dem ausführlichen Notfallplan hat sich eine kurze Notfallkarte bewährt, die gut sichtbar am Bett und an der Wohnungstür hängt. Sie enthält auf einen Blick:
- Name, Geburtsdatum und Hauptdiagnose
- Art der Beatmung und Kanüle (Typ und Größe)
- „Beatmeter Mensch im Haushalt“ als deutlicher Hinweis für Rettungskräfte
- Notruf 112 und die wichtigsten weiteren Nummern
- Ort von Notfallplan, Ersatzkanüle und Beatmungsbeutel
Unterwegs mit Beatmung
Auch bei Ausflügen und Arztbesuchen gilt: Akkus voll laden, Ersatzakkus, Absauggerät und Notfallmaterial mitnehmen und den Notfallplan griffbereit haben. Planen Sie Strecken so, dass Lademöglichkeiten erreichbar sind, und informieren Sie Begleitpersonen über das Vorgehen im Notfall. So bleibt Teilhabe möglich, ohne die Sicherheit aus dem Blick zu verlieren.
Bei längeren Reisen sollte der Gerätelieferant frühzeitig informiert werden, damit Ersatz und Service auch am Zielort geklärt sind.
Den Plan aktuell halten
Ein Notfallplan ist nur so gut wie seine Aktualität. Prüfen Sie ihn immer dann, wenn sich etwas ändert: neue Geräteeinstellungen, ein anderer Gerätelieferant, neue Telefonnummern, eine andere Kanüle. Vermerken Sie auf dem Plan das Datum der letzten Überprüfung. Gehen Sie ihn in regelmäßigen Abständen mit allen Beteiligten durch und üben Sie die wichtigsten Abläufe – etwa den Wechsel auf den Akku oder die Anwendung des Beatmungsbeutels. So bleibt im Ernstfall die nötige Ruhe.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Notfallplan wird mit Ärzten, Gerätelieferant und Pflegedienst gemeinsam abgestimmt und schriftlich festgehalten.
- Akkulaufzeiten, Ersatzakkus und ein mögliches Zweitgerät klären Sie vorab mit dem Gerätelieferanten.
- Beatmungsbeutel, Ersatzkanüle und Taschenlampe liegen immer in Reichweite.
- Bei Atemnot oder Geräteausfall ohne Ersatz wählen Sie sofort den Notruf 112.
Begleitung durch St. Lukas
St. Lukas begleitet Menschen mit Heimbeatmung im Rahmen der außerklinischen Intensivpflege in Duisburg, Essen und Umgebung; bei Beatmungspatienten ist eine 1:1-Betreuung vorgesehen. Wir stimmen den Notfallplan mit Ärzten und Gerätelieferant ab und gehen ihn mit der Familie durch. Anfragen über das Pflege-Cockpit oder unter 0203 / 39 51 65 75.
Häufige Fragen
Wie lange hält ein Beatmungsgerät ohne Strom?
Das hängt von Gerät, Einstellungen und Akkus ab. Fragen Sie den Gerätelieferanten nach der konkreten Laufzeit.
Wer erstellt den Notfallplan?
Er sollte mit behandelnden Ärzten, Gerätelieferant und Pflegedienst gemeinsam abgestimmt werden.
Was gehört neben das Bett?
Notfallplan, Beatmungsbeutel, Ersatzkanüle, Absauggerät, geladene Ersatzakkus, Taschenlampe und Telefon.
Wann muss ich 112 wählen?
Bei Atemnot, Geräteausfall ohne Ersatz oder wenn die Versorgung nicht gesichert ist – sofort.
Wie oft sollte der Plan überprüft werden?
Regelmäßig und immer dann, wenn sich Geräte, Einstellungen oder Beteiligte ändern.
Bei Lebensgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf 112.
Unsere Ratgeber geben allgemeine Orientierung. Sie ersetzen keine ärztliche, pflegefachliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte zu Leistungen und Kosten erteilen Pflegekasse bzw. Kostenträger.



