Alle Ratgeber

Alltag zu Hause · 7 Min. Lesezeit

Tracheostoma-Pflege zu Hause: Grundlagen für Angehörige

Was ein Tracheostoma ist, welche Pflege dazugehört und worauf Angehörige im Alltag achten können – allgemein erklärt.

Was ist ein Tracheostoma?

Ein Tracheostoma ist eine operativ angelegte Öffnung der Luftröhre am Hals. In diese Öffnung wird meist eine Trachealkanüle eingesetzt, über die der Mensch atmet oder beatmet wird. Gründe können eine Langzeitbeatmung, Schluckstörungen mit Gefahr des Verschluckens, neurologische Erkrankungen oder Erkrankungen im Kopf-Hals-Bereich sein.

Für viele Familien ist das Tracheostoma zunächst beängstigend. Mit Wissen, Routine und einer guten Begleitung durch Pflegefachkräfte wird es Teil des Alltags. Dieser Ratgeber erklärt Grundlagen. Er ersetzt keine Anleitung durch Ärzte oder Pflegefachkräfte und keine Herstellerangaben.

Die Kanüle: Arten und Zubehör

Es gibt verschiedene Kanülen – mit oder ohne Blockung (Cuff), mit oder ohne Innenkanüle, mit Sprechventil oder ohne. Welche Kanüle verwendet wird, legt die Ärztin oder der Arzt fest. Zum Zubehör gehören Haltebänder, Kompressen, Befeuchtungsfilter („künstliche Nase“), Absauggerät und Absaugkatheter sowie eine Ersatzkanüle für den Notfall.

Stomapflege: Haut gesund halten

Die Haut um das Stoma ist empfindlich. Sekret und Feuchtigkeit können zu Reizungen führen. Zur regelmäßigen Pflege gehören das Reinigen der Haut, das Wechseln der Kompresse unter der Kanüle und das Wechseln der Haltebänder. Wie oft das nötig ist, hängt von der Sekretmenge und den ärztlichen Vorgaben ab.

  • Auf Rötungen, Schwellungen, Geruch oder Blutungen achten
  • Hände vor jeder Maßnahme waschen und desinfizieren
  • Haltebänder so anlegen, dass die Kanüle sicher sitzt, aber nicht einschnürt
  • Veränderungen dokumentieren und an Pflegedienst oder Arzt weitergeben

Absaugen

Menschen mit Tracheostoma können Sekret oft nicht ausreichend abhusten. Dann muss es abgesaugt werden. Das Absaugen ist eine pflegerische Maßnahme, die sorgfältig und hygienisch erfolgen muss. Angehörige, die das übernehmen möchten, sollten es nur nach gründlicher Anleitung durch Pflegefachkräfte tun.

Achten Sie darauf, wie sich das Sekret verändert: Farbe, Menge und Zähigkeit können Hinweise auf eine Infektion geben. Teilen Sie solche Beobachtungen dem Pflegedienst oder der Ärztin bzw. dem Arzt mit.

Befeuchtung und Atemluft

Beim Atmen über eine Kanüle fällt die natürliche Befeuchtung und Erwärmung durch Nase und Rachen weg. Befeuchtungsfilter, Inhalationen oder aktive Befeuchtung bei Beatmung helfen, das Sekret flüssig zu halten. Welche Maßnahmen geeignet sind, wird ärztlich festgelegt. Ein angenehmes Raumklima unterstützt zusätzlich.

Kanülenwechsel

Der Kanülenwechsel erfolgt nach ärztlicher Anordnung und Herstellerangaben. Er wird in der Regel von Pflegefachkräften oder geschulten Personen durchgeführt. Eine passende Ersatzkanüle und eine kleinere Notfallkanüle sollten immer griffbereit sein – auch unterwegs.

Alltag mit Tracheostoma

Auch mit Tracheostoma ist vieles möglich: Spaziergänge, Besuche, Ausflüge. Wichtig ist eine gut gepackte Notfalltasche mit Absauggerät, Ersatzkanüle und Material. Beim Duschen und Waschen muss verhindert werden, dass Wasser in die Kanüle gelangt. Mit einem Sprechventil können manche Menschen wieder sprechen; ob das möglich ist, entscheidet das Behandlungsteam.

Für die Kommunikation ohne Stimme helfen Buchstabentafeln, Schreibtafeln oder Tablets. Geduld und feste Zeichen erleichtern den Alltag für alle Beteiligten.

Notfälle erkennen

Atemnot, Unruhe, bläuliche Verfärbung der Lippen, eine verstopfte oder herausgerutschte Kanüle sind Warnzeichen. Wie Sie im Einzelfall handeln, sollte in einem schriftlichen Notfallplan festgehalten sein. Bei akuter Lebensgefahr wählen Sie sofort den Notruf 112.

Hygiene im Alltag

Weil die Kanüle direkt in die Atemwege führt, ist Hygiene besonders wichtig. Einige allgemeine Grundsätze:

  • Händehygiene vor und nach jeder Maßnahme am Tracheostoma
  • Einmalmaterial nur einmal verwenden, wiederverwendbares Material nach Herstellerangaben reinigen
  • Saubere, trockene Lagerung des Materials
  • Absauggerät und Schläuche regelmäßig nach Vorgabe reinigen oder wechseln
  • Besucher mit Erkältung um Abstand bitten

Hilfsmittel und Versorgung organisieren

Kanülen, Absauggerät, Katheter, Kompressen und Befeuchtungssysteme werden ärztlich verordnet und in der Regel über einen Hilfsmittellieferanten bezogen. Damit nie etwas fehlt, lohnt sich eine feste Bestellroutine: Wer kontrolliert den Vorrat, wer bestellt nach, und wie lange dauert eine Lieferung? Halten Sie immer eine Reserve vor, besonders vor Wochenenden und Feiertagen.

Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein. Selbsthilfegruppen und Verbände bieten Informationen und Erfahrungsberichte aus dem Alltag mit Tracheostoma.

Ernährung und Schlucken

Viele Menschen mit Tracheostoma haben Schluckstörungen. Ob und was gegessen und getrunken werden darf, legen Ärztinnen und Ärzte sowie die Logopädie fest. Manchmal erfolgt die Ernährung ganz oder teilweise über eine Sonde. Achten Sie auf Hinweise auf ein Verschlucken, etwa Husten beim Essen, Speisereste im abgesaugten Sekret oder Fieber, und geben Sie solche Beobachtungen weiter. Eine aufrechte Sitzposition beim Essen und ausreichend Zeit sind wichtige Grundregeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Versorgung richtet sich immer nach ärztlicher Anordnung und Herstellerangaben.
  • Hygiene, Hautpflege und eine sichere Kanülenfixierung sind die Grundlagen im Alltag.
  • Ersatzkanüle, Absauggerät und Notfallplan gehören immer griffbereit an das Bett und in die Tasche.
  • Angehörige übernehmen Maßnahmen nur freiwillig und nach Anleitung; bei Atemnot gilt der Notruf 112.

Begleitung durch St. Lukas

St. Lukas begleitet Menschen mit Tracheostoma und Beatmung im Rahmen der außerklinischen Intensivpflege in Duisburg, Essen und Umgebung. Wir leiten Angehörige an, wenn sie es wünschen, ohne sie zu Aufgaben zu verpflichten. Anfragen über das Pflege-Cockpit oder unter 0203 / 39 51 65 75.

Häufige Fragen

Dürfen Angehörige absaugen?

Angehörige können nach gründlicher Anleitung durch Pflegefachkräfte bestimmte Maßnahmen übernehmen, wenn sie das möchten.

Wie oft wird die Kanüle gewechselt?

Nach ärztlicher Anordnung und Herstellerangaben; das ist von Fall zu Fall verschieden.

Was gehört in die Notfalltasche?

Absauggerät, Absaugkatheter, Ersatzkanüle, kleinere Notfallkanüle, Kompressen, Haltebänder und der Notfallplan.

Kann man mit Tracheostoma sprechen?

Manchmal mit einem Sprechventil; ob das möglich ist, entscheidet das Behandlungsteam.

Was tun bei Atemnot?

Nach Notfallplan handeln und bei akuter Lebensgefahr sofort 112 wählen.

Bei Lebensgefahr rufen Sie bitte sofort den Notruf 112.

Unsere Ratgeber geben allgemeine Orientierung. Sie ersetzen keine ärztliche, pflegefachliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall. Verbindliche Auskünfte zu Leistungen und Kosten erteilen Pflegekasse bzw. Kostenträger.